Figuelotte. Eine phantastische Begegnung
Musiktheaterprojekt mit Kindern und Jugendlichen auf den Spuren Sophie Charlottes 
 
Seit ihrem 300. Todestag (2005) ist die auf Schloss Iburg als protestantische Bischofstochter geborene Sophie Charlotte Thema in der Region. Gemeinsam realisieren LVO und Musiktheater LUPE derzeit zwei Theaterproduktionen zu Sophie Charlotte.


Gavotte, aufmüpfiger Rap und eine unsanfte Landung

Pikiert hockt die Barock-Prinzessin in ihrem Bett und reibt sich die Augen: Die unsanft aus ihrer Zeit „gefallene“ Sophie Charlotte sieht sich umringt von sonderbar gekleideten Jugendlichen. Und noch sonderbarer ist deren Benehmen – doch das Erstaunen ist ganz wechselseitig. Mit einem phantasievollen Handlungsgang schicken Katrin Orth und Ralf Siebenand vom Musiktheater Lupe 24 Kinder zwischen 9 und 19 auf eine spannende Theaterreise. Premiere war im August im Haus der Jugend in Osnabrück.

"Figuelotte (Katharina Biermann) umringt von ihrem unerwarteten "Hofstaat". Foto: Angela von Brill

„Sie ist schockiert, uns fehlt die Etikette“, macht sich die Horde der Internatsschüler über die verdutzte „Figuelotte“ lustig und singt weiter: „Die Arme tut mir leid, wenn ich sie ohne ihre Krone seh’“. Und doch bahnt sich da bereits eine Annäherung an, die die Jahrhunderte überbrückt. Die Idee, so erläutert Katrin Orth vom Musiktheater Lupe das Konzept, war es, die Barock-Prinzessin heutigen Kindern vorstellbar zu machen. Bei allen kaum verständlichen Unterschieden bestehen doch erstaunlich ähnliche Vorlieben – sei es die Schokolade (heute Alltags-Nascherei, damals noch Luxusprodukt), sei es das Tanzen. Und so führen sie sich wechselseitig ihre neuesten Tanz-Hits vor, Gavotte hier, Hip Hop da.

"Figuelotte" gibt Unterricht im Tanzen der Gavotte – nicht ganz etikettegerecht im Nachthemd. Foto: Angela von Brill

Mittlerweile parlieren sie bereits selbst, als hätten sie eine höfische Erziehung hinter sich: Die 24 Kinder und Jugendlichen, die binnen einer einzigen Woche im Haus der Jugend dieses Stück erarbeiteten, haben auf der Bühne sichtlich Spaß. Und so manche Wendung im Handlungsgang des Stückes geht auf ihren unerschöpflichen Ideenvorrat zurück. Das machte den Lupe-Leuten wiederum nächtliche Arbeit – denn dann wurde kräftig getextet und komponiert, so Ralf Siebenand schmunzelnd, und am nächsten Morgen ging es sogleich auf der Bühne weiter.


Die Hintergründe

Doch warum überhaupt dieser Titel „Figuelotte“? Dies war der Kosename der kleinen Sophie Charlotte, die 1668 als Tochter des ersten protestantischen Fürstbischofs von Osnabrück auf Schloss Iburg geboren wurde, erläutert Dr. Susanne Tauss, Geschäftsführerin des Landschaftsverbandes. Die weiteren Lebensstationen der Welfen-Prinzessin waren Osnabrück, wo ihr Vater das Schloss am Neuen Graben errichten ließ, ferner Hannover und schließlich Berlin. Und unter anderem zu diesen Stationen geht die Musiktheater-Produktion auf Tour. Endpunkt ist dabei Charlottenburg, das nach dem Tod Sophie Charlottes vor 300 Jahren nach ihr benannt wurde. Dort überall werden sich die Prinzessin im Nachthemd, ihre in die Besenkammer verdammte Kammerzofe, der mufflige Hausmeister und seine adelsversessene Frau zusammen mit den Internatsschülern singend, spielend und tanzend der Bühnen bemächtigen. Und was mit Putzfrau Edeltraud Wecker, die sich voll Neugierde des Prinzessinnen-Betts bemächtigt, schließlich passiert, wird erst in den Vorstellungen verraten.
Das Stück ist geeignet für Kinder ab 5 Jahren.

Die neugierige Prinzessin Sophie Charlotte landet unfreiwillig im Jahr 2008. Illustration:Felix Scheinberger


Die mitwirkenden Jugendlichen

Hannes Ahrens (Technik), Lea Arlt (Putzfrau Edeltraud Wecker), Nikolas Bergmann, Katharina Biermann (Sophie Charlotte), Leonard Brinkmann, Solvejg Nora Buschmann, Christine Dierker, Inga Ehrecke, Anna Sophie Ermshaus (Kammerzofe Ammelie), Louisa-Kristin Ermshaus, Annika Erpenbeck, Chiara Gewin, Linda Heuer, Paula Kiso, Frederik Leyrer, Viola Leyrer, Katharina Magiera, David Missal (Hauswart Bernward Wecker), Lukas Schemm, Johanna Schmiegelt, Caroline Scholten, Josefine Siebenand, Luisa Siebenand, Annika Thoelen.

Illustration: Felix Scheinberger


Musik

Ralf Siebenand


Texte

Katrin Orth
Ralf Siebenand


Choreographie

Katrin Orth


Die Termine

  • Samstag, 26. August 2006, 15 Uhr, Haus der Jugend Osnabrück
  • Sonntag, 27. August 2006, 11 Uhr, Haus der Jugend Osnabrück
  • Freitag, 1. September 2006, 10 Uhr und 17 Uhr, Kurhaus Bad Iburg
  • Sonntag, 1. Oktober 2006, 15 Uhr, Universum e.V. Bramsche
  • Freitag, 3. November, bis Montag, 6. November 2006, "Tournee" nach Hannover (Stadtteilzentrum Krokus, 3. November) und Berlin-Charlottenburg (5./6. November)


Eintritt

3 Euro


Informationen/Kontakt

Projektmitarbeiterin Angela von Brill (T 05 41 / 8 85 04) oder Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V. (T 0 54 03 / 7 24 55-0)


Musiktheater LUPE

Das Musiktheater LUPE produziert seit zehn Jahren Kinder-, Jugend- und Erwachsenenstücke, mit denen es im deutschsprachigen Raum auf Tournee geht. In Osnabrück hat es sich unter anderem durch theaterpädagogische Projekte und Schulaufführungen einen Namen gemacht. Charakteristisch für die Inszenierungen des Musiktheater LUPE ist die lebendige, freche Mischung aus Schauspiel, Tanz und Musik.

  • Musiktheater LUPE


Illustrationen

Die Illustrationen für das Projekt besorgte Felix Scheinberger, Radolfzell. Der Künstler studierte an der FH Gestaltung in Hamburg und ist hauptberuflich als Illustrator tätig.
Scheinbergers Zeichnungen finden sich in Zeitschriften und Büchern. Darüber hinaus hat er für verschiedene Theater gearbeitet und war er bei Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten.


Gesamtprojekt

Zum Gesamtprojekt gehört ein zweites Theaterstück mit dem Titel "Prinzessin? Nicht die Bohne. Das Stück wurde speziell für Schulaufführungen konzipiert: Julie ist genervt: Wie kommt ausgerechnet Frau Brinkhaus dazu, sich als "Fürstliche Durchlauchtigkeit" ansprechen zu lassen? Die eigenwillige ältere Dame besteht darauf, dass ihre Pflegerin diese Spinnereien mitspielt. Frau Brinkhaus ist nämlich davon überzeugt, vornehmer Herkunft zu sein – nämlich eine Nachfahrin von Königin Sophie Charlotte! Sie lebt ganz in der Welt des Barock, hört leidenschaftlich gern die Musik jener Zeit, pflegt eine altertümliche Sprache und interessiert sich für alle höfischen Gepflogenheiten. Die einzige Abwechslung für sie ist der regelmäßige Besuch der jungen Julie, die zunächst allerdings keinerlei Verständnis für die Eigenheiten der alten Dame, ihre steifen Umgangsformen und schon gar nicht für das Frauenbild des 17. Jahrhunderts hat. Und doch lässt sie sich nach und nach von der fremdartigen Welt der Sophie Charlotte bezaubern.

Ein Modell des Bühnenbildes für das Stück "Prinzessin? Nicht die Bohne!" entwarf Kaspar Wimberly, der letztjährige Gewinner der Jersey Telecom Student Art Exhibition.
Foto: Angela von Brill

Wie es der älteren Dame durch ihre pfiffige und einfallsreiche Art gelingt, Julie für ihre Anekdoten aus der Zeit Sophie Charlottes zu begeistern, erzählt diese humorvolle, anrührende Geschichte. Und ganz nebenbei wird an den modernen Vorurteilen zwischen den Generationen gerüttelt, und die Bilder von der verkniffenen, verkalkten Alten und der intoleranten, oberflächlichen Jungen werden auf den Kopf gestellt.
Näheres zu diesem Stück in Kürze

Frau Brinkhaus interessiert sich für alle höfischen Begebenheiten und ist überzeugt, eine Nachfahrin der Prinzessin Sophie Charlotte zu sein. Illustration: Felix Scheinberger


Förderer und Partner des Gesamtprojektes













 
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