Gedenkveranstaltungen dürften sich nicht im Ritual leerer Formeln erschöpfen, so die klare Botschaft von Oberbürgermeister Hans Jürgen Fip, der am 27. Januar 2006 als Präsident des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e.V. eine kurze Ansprache hielt. Ein Erinnern und Gedenken an den menschenverachtenden Holocaust setze einen Widerhaken im kollektiven historischen Gedächtnis. Nur so könne eine Kultur des Gedenkens und Erinnerns an kommende Generationen weitergegeben werden. Fip hob in diesem Zusammenhang anerkennend hervor, dass sich Bürgerinnen und Bürger in der Region seit vielen Jahren aktiv der Gedenkarbeit für die Opfer des NS-Terrors in unserer Region widmen. Ohne eine solche Verantwortung für unsere Geschichte, so der Präsident des LVO, blieben auch offiziell verordnete Erinnerungsveranstaltungen ohne Leben.
Menschenwürdiges gemeinsames Miteinander für eine friedliche Welt Es folgten die Kranzniederlegungen durch Oberbürgermeister Fip und den stellvertretenden Landrat, Hartmut Nümann. Eindringlich gemahnte Alexander Großberg, Jüdische Gemeinde Osnabrück, mit Kaddisch und Totenklage an den Holocaust. Manfred Böhmer, Vorsitzender des Niedersächsischen Verbandes Deutscher Sinti e.V., schilderte in ergreifenden Worten, welch große Verluste seine Familie aufgrund des NS-Terrors hinnehmen musste. Zugleich betonte er, dass er keinen Hass verspüre, sondern dass nur ein menschenwürdiges gemeinsames Miteinander in wechselseitiger Achtung eine friedliche Welt ermögliche. | Manfred Böhmer, Vorsitzender des Niedersächsischen Verbandes Deutscher Sinti, schilderte die Verluste seiner Familie durch den NS-Terror. | | Alexander Großberg sprach als Vertreter der Jüdischen Gemeinde Osnabrück Kaddisch und Totenklage. | Esther Bejarano – kämpferisch gegen rechts Esther Bejarano, eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters Auschwitz, verlas im Anschluss Auszüge aus ihrer Rede, die sie anlässlich der Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille gehalten hatte. Sie schlug damit kämpferisch den Bogen zur Gegenwart: Unhinterfragte Ausführung von Befehlen dürfe sich nicht bis in heutige Zeit fortsetzen, wie sie es beispielsweise persönlich in der Konfrontation zwischen Neonazis und NS-Gegnern erlebte. Engagiert klärt Bejarano seit Jahrzehnten öffentlich über NS-Unrecht auf, berichtet in Schulen über ihr Leben und tritt mit der Musikgruppe Coincidence auf – gleichfalls im Sinne eindrücklichen Erinnerns und wider das Vergessen. Am gleichen Abend folgte ein Konzert der Gruppe im großen Saal des Felix-Nussbaum-Hauses, der bis auf den letzten Platz belegt war. | Esther Bejarano, eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters Auschwitz, warnte in ihrem Beitrag vor der unhinterfragten Ausführung von Befehlen.
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