27. Januar 2012 – Gemeinsames Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus 
 
27. Januar 2012 - Alexander Großberg Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz befreit. Seit 1996 ist dieser Tag ein bundesweiter Gedenktag, an dem an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert wird. Auch auf dem Osnabrücker Marktplatz kamen weit über hundert Bürgerinnen und Bürger und Vertreter aus Politik und Verwaltung der Region – darunter zahlreiche Mitglieder der Jüdischen Gemeinde und der Sinti – zusammen, um gemeinsam der Opfer des Holocaust zu gedenken. Der Landschaftsverband Osnabrücker Land (LVO) richtet die Veranstaltung im Auftrag von Stadt und Landkreis Osnabrück in jährlichem Wechsel zwischen den Gedenktafeln vor dem Osnabrücker Rathaus und der Gedenkstätte Augustaschacht aus.


Gedenktag darf kein bloßes Ritual sein – bewegende Ansprache von LVO-Präsident Boris Pistorius

151 jüdische Mitbürger und 54 Sinti wurden von den Nationalsozialisten aus Osnabrück nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Am 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers erinnerte Oberbürgermeister und LVO-Präsident Boris Pistorius im Beisein von Landrat Dr. Michael Lübbersmann für Stadt und Landkreis an die Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns: „Die Opfer sind aus unserer Mitte herausgerissen worden von Tätern, die vorher Nachbarn gewesen sind.“ An die Opfer würden auch die so genannten Stolpersteine erinnern, die in den vergangenen Jahren in der Stadt verlegt worden sind. Keiner könne fassen, was Menschen aus unserer Mitte anderen Menschen aus unserer Mitte angetan hätten. „Die Erschütterung darüber wird uns nie loslassen.“ Daher dürfe dieser Tag kein bloßes Ritual sein. Es sei eine gute Entscheidung gewesen, dass der 27. Januar kein Feiertag, sondern ein Gedenktag sei. So könne er nicht zu einem reinen „Brückentag“ in der Urlaubsplanung verkommen. Pistorius rief zur Wachsamkeit auf. Dafür müssten wir alle immer wieder Verstand und Augen schärfen. „Gedenktag wie dieser sind wichtig, weil wir an die Opfer erinnern, und weil sie uns erinnern, verantwortlich, wachsam und tolerant zu sein.“

27. Januar 2012 - Boris Pistorius
Oberbürgermeister Boris Pistorius, gleichzeitig LVO-Präsident, erinnerte an die Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns und mahnte zur Wachsamkeit. Foto: LVO

27. Janaur 2012 - Kranzniederlegung
Oberbürgermeister Boris Pistorius und Landrat Dr. Michael Lübbersmann bei der Kranzniederlegung vor der Gedenktafel am Marktplatz Osnabrück. Foto: Presseamt der Stadt Osnabrück


Totenklage und Kaddisch für die jüdischen Opfer

Nach der Kranzniederlegung vor der Tafel mit den Namen der ermordeten Osnabrücker Juden sang Alexander Großberg, der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Osnabrück die allgemeine Totenklage für die Opfer der Shoa. Michael Grünberg, der Vorsitzende der Gemeinde, schloss daran das Kaddisch an, die persönliche Totenklage für alle, die selbst Opfer der Judenverfolgung zu betrauern haben.


27. Januar 2012 - Michael Grünberg
Michael Grünberg, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Osnabrück trug das Kaddisch vor. Foto: LVO


Besondere Verpflichtung für die Stadt Osnabrück – Manfred Böhmer regt gemeinsame Presseerklärung an

Anschließend erinnerte Manfred Böhmer, Vorsitzender des Niedersächsischen Verbandes Deutscher Sinti, an die Opfer aus seinem Volk. Er schilderte ein Gespräch mit einer Verwandten, die acht ihrer Kinder bis zum Tod auf ihren Armen trug. „Diese Stadt hat eine besondere Verpflichtung gegenüber denen, die gelitten haben und ermordet wurden“, mahnte Böhmer in seinem bewegenden Gebet und regte eine gemeinsame Presseerklärung gegen Antisemitismus und Antisintiismus an, bevor mit der Kranzniederlegung vor den Gedenktafeln für die Sinti-Opfer aus Osnabrück die Gedenkveranstaltung zu Ende ging.

27. Januar 2012 - Manfred Böhmer
Vor der Gedenktafel für die Opfer unter den Osnabrücker Sinti sprach Manfred Böhmer vom Niedersächsischen Verband Deutscher Sinti ein Gebet und mahnte die besondere Verpflichtung der Stadt Osnabrück an. Foto: LVO

 
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