Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2019  
 
Mahnmal Augustaschacht am 27. Januar 2019 (c) Gabriele Janz, LVODrangvolle Enge im Vortragssaal der Gedenkstätte Augustaschacht: Schülerinnen und Schüler der Realschule Bad Iburg, deren Eltern, einige Lehrer, viele Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie weitere Gäste fanden sich am 27. Januar 2019 um 15 Uhr zusammen um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Der Landschaftsverband Osnabrücker Land (LVO) hatte die Zentrale Gedenkfeier für Stadt und Landkreis Osnabrück ausgerichtet – trotz des nasskalten Wetters waren circa 150 Menschen der Einladung gefolgt.

 

Neue Brücken

Den tragenden Part der Veranstaltung übernahmen dabei die Schülerinnen und Schüler der Realschule Bad Iburg; das Leitmotiv für ihre Beiträge war der Song „Neue Brücken" der Band „Pur". Die jungen Menschen beließen es jedoch nicht beim gemeinsamen Vortrag des Liedes. Es wurde in einem Filmprojekt szenisch dargestellt und auch in einem lebendigen Dialog zwischen einer Schülerin und einem Schüler auf seine Aktualität als Position gegen Rassismus und Fremdenhass untersucht. Darüber hinaus hatten die jungen Menschen Bürgerinnen und Bürger interviewt und nach der Bekanntheit und dem Bedeutung der Gedenkstätte Augustaschacht gefragt. Die Antworten waren überwiegend positiv und stimmten mit dem Fazit der Jugendlichen überein: „Wir haben diesen Gedenktag bitter nötig ... und wir sollten uns dabei öfter das Lied von ‚Pur' anhören."

 

Gedenkfeier 27. Janaur 2019 | Filmbeitrag (c) Gabriele Janz, LVO
Der Gedanke des Brückenschlags war Leitmotiv der Schülerdarbietungen im Augustaschacht, wie hier in einem Filmbeitrag.
Foto: LVO, Gabriele Janz

Aufbegehren gegen Missachtung der Menschenrechte

Nach den eindrucksvollen Beiträgen der Realschule Bad Iburg setzte sich die Gedenkfeier direkt am Mahnmal Augustaschacht fort. LVO-Präsident und Landrat Dr. Michael Lübbersmann griff die Gedanken der Schülerinnen und Schüler auf, die hoffnungsvolle Antworten auf die Frage seien, was die Gewalttaten der Nationalsozialisten heute mit jedem Einzelnen zu tun hätten. „Achtung vor dem Mitmenschen, Klugheit und Vernunft als Mittel gegen unreflektiertes Nachbeten, Kritikfähigkeit anstelle von bequemem Sich-Einrichten im vermeintlich Festgefügten, ... Freiheit und Frieden als Menschenrechte, ohne jede Ausgrenzung", zählte Lübbersmann auf. Ferner verwies er auf Heribert Prantl, den leitenden Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Prantl schrieb: „Das Grundgesetz beginnt ... mit dem Gedenken an die Menschen- und Menscheitsverbrechen, an Auschwitz, Sobibor, Treblinka, Majdanek und Dachau, es beginnt mit der Reaktion auf Gräuel und Verbrechen."
Abschließend forderte Lübbersmann die Gäste der Gedenkfeier auf, über die vielfältigen Freiheiten nachzudenken, die den Menschen in Deutschland geboten werden, und aufzubegehren, wo immer Grundrechte missachtet werden.

Nach einer Schweigeminute schloss sich die Kranzniederlegung vor den Namenstafeln am Mahnmal an, die Lübbersmann gemeinsam mit der Vertreterin der Stadt Osnabrück, der Beigeordneten Annette Meyer zu Strohen, MdL, durchführte.

Gedenkfeier 27. Januar 2019 | Dr. Michael Lübbersmann und Annette Meyer zu Strohen, MdL (c) Gabriele Janz , LVO
LVO-Präsident und Landrat Dr. Michael Lübbersmann legte gemeinsam mit der Vertreterin der Stadt Osnabrück, Annette Meyer zu Strohen, MdL, einen Kranz am Mahnmal Augustaschacht nieder.
Foto: LVO, Gabriele Janz

EL MALE RACHAMIM - Zum Gedenken an die als Märtyrer Umgekommenen

Anschließend trug der Kantor der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, Baruch Chauskin, auf Aramäisch die Totenklage „El male Rachamim" vor, eine Gottesanbetung, in der der durch die Schoa getöteten Juden gedacht wird. Der deutsche Text war den Gästen vorher zugänglich gemacht worden. Dort heißt es: „Erbarmungsvoller Gott, ..., gewähre vollkommene Ruhe unter den Fittichen Deiner göttlichen Gegenwart ... allen Seelen der sechs Millionen Juden, den Opfern der Schoa in Europa, die zur Heiligung des göttlichen Namens ermordet, hingeschlachtet oder verbrannt und vernichtet wurden in Auschwitz, Bergen-Belsen, Majdanek, Treblinka, (Riga) und in den übrigen Vernichtungslagern ..." Der Totenklage folgte das Kaddisch, ein Gebet, das traditionell für die Toten gesprochen wird.Kantor Baruch Chauskin am Mahnmal Augustaschacht (c) Gabriele Janz, LVO
Der Kantor der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, Baruch Chauskin, trug Kaddisch und Totenklage vor.

Blumengrüße für die Opfer

Zum Abschluss legten Mitarbeiter der Gedenkstätten Augustaschacht und Gestapokeller im Namen des Niedersächsischen Verbandes Deutscher Sinti, dessen Vorsitzender Manfred Böhmer kurzfristig erkrankt war, einen weiteren Kranz am Mahnmal nieder. Weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkfeier ehrten die Opfer ebenfalls mit Blumengrüßen.27. Januar 2016 |Manfred Böhmer
Die Anteilnahme der Gäste zeigte sich in den zahlreichen Blumengrüßen für die Opfer. Foto: Gabriele Janz, LVO