Landschaftstag 2019: Kulturpreis an die "Trutzburg" Kulturverein Petersburg, Auszeichnung an den Moorvogt von Berge", Udo Hafferkamp  
 
Landschaftstag 2019 | Preisverleihung an den Kulturverein Petersburg (c) Gabriele Janz, LVODer Landschaftsverband Osnabrücker Land (LVO) hatte zum Landschaftstag auf die Iburg gerufen – weit über 100 Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung, der regionalen Kulturszene und der Wirtschaft folgten der Einladung und versammelten sich am 28. Juni 2019 um 14 Uhr im historischen Rittersaal der ehemaligen Bischofsresidenz. Neben der Begrüßungsrede des LVO-Präsidenten Dr. Michael Lübbersmann und einem Festvortrag von Dr. Heiko Laß über eben diesen Rittersaal erlebten die Gäste die Verleihung des Kulturpreises 2019 des LVO an den Kulturverein Petersburg sowie der Auszeichnung 2019 an Udo Hafferkamp.

Kulturverein Petersburg mit vielfältigen soziokulturellen Basisangeboten

Mit einem eindringlichen Bild von drei Menschen in einer ungeheizten Holzhütte am Osnabrücker Hafen begann Klaus Thorwesten, Regionalberater der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur, seine Laudatio für den Kulturverein Petersburg. Er habe kein Wintermärchen schildern wollen, sondern von einem realen Beratungsgespräch im KAFF – Kultur am Fantastischen Freihafen – berichtet, so Thorwesten. Damit spielte er auf die derzeit unhaltbaren baulichen Zustände in den Räumen des Vereins an, der seit Jahren auf von der Stadt Osnabrück zugesagtes fließendes Wasser, auf Strom und Heizung wartet. Thorwesten habe Vertreter des Kulturvereins beraten, nachdem diese ihre Räume auf dem Gelände der namensgebenden historischen Petersburg – Osnabrücks bischöfliche Trutzburg – hätten aufgeben müssen. Thorwesten zollte dem Verein seinen Respekt dafür, dass dieser nie aufgegeben habe, seine Träume zu verwirklichen, nämlich in Osnabrück weiterhin mit vielfältigen und ausdifferenzierten soziokulturellen Basisangeboten die lokale Kulturszene zu bereichern. Ähnlich lautet auch der Text der Verleihungsurkunde: „Der Kulturverein Petersburg e. V. zeichnet sich durch niedrigschwellige integrative wie partizipative Kulturangebote aus".
Es tue gut, nach einem Jahr des Umbruchs solch überraschende Anerkennung von außen zu bekommen, begann Marcia Bielkine, Vertreterin des Vereins, ihre kurzen Dankesworte. Der Verein könne das mit der Ehrung verbundene Preisgeld von 5.000 Euro sehr gut gebrauchen. In den zehn Jahren seit Gründung des Vereins seien „knackige Zeiten" dabei gewesen, doch nun stünden zugesagte Sanierungsmaßnahmen unmittelbar bevor. Bielkine lud alle Gäste des Landschaftstages ein, sich danach im KAFF umzuschauen.Landschaftstag 2019 | Preisverleihung an den Kulturverein Petersburg | Laudator Klaus Thorwesten (c) Gabriele Janz, LVO
Klaus Thorwesten, Regionalberater der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Niedersachsen und Geschäftsführer der Lagerhalle, fand beeindruckende Worte für die Arbeit des Kulturvereins Petersburg, bevor LVO-Präsident Michael Lübbersmann und LVO-Vorstand Wolfgang Beckermann den Vertreter*innen des Vereins die Verleihungsurkunde überreichten.

Foto: Gabriele Janz, LVO

Auszeichnung für kämpferischen Naturschützer

Als Moorvogt von Berge habe man ihn gelegentlich betitelt, bei vielen sei er als Naturschutzbeauftragter des Landkreises Osnabrück sofort „abgestempelt" gewesen. Dennoch sei er gern angetreten, bei Naturschutzfragen zwischen Landwirten und Behörden zu vermitteln. So schilderte Udo Hafferkamp, Lehrer, Gründer des Lernstandortes Grafelder Moor und langjähriger Geschäftsführer des Kreisheimatbundes Bersenbrück seine wichtige Erfahrungen im Dienste des Naturschutzes. Überraschend hielt er eine flammende Rede und kritisierte unumwunden Maßnahmen wie die Flurbereinigung, die große entwässerte Flächen zurückgelassen habe, oder fehlende Blühstreifen an Ackerrändern. Die „Fridays for Future" hätten schon vor Jahrzehnten stattfinden müssen, bedauerte er. Es sei beschämend, dass „wir uns von unseren Kindern einen solchen Spiegel vorhalten lassen müssen!" Hafferkamps Dankesworte ergänzten die launige und umfassende Laudatio von Rolf Wellinghorst, langjähriger Weggefährte des Ausgezeichneten, in anschaulicher Weise.


Udo Hafferkamp aus Berge erhielt die Auszeichnung 2019 von LVO-Präsident Michael Lübbersmann in Anerkennung seines hohen Engagements für die Umweltbildung im nördlichen Landkreis Osnabrück. Rolf Wellinghorst hatte in seiner Laudatio zuvor tiefe Einblicke in die Tätigkeitsbereiche Hafferkamps gewährt.
Foto: Gabriele Janz, LVO

LVO-Kulturförderung: Da geht noch mehr!

Zuvor hatten Landrat Dr. Michael Lübbersmann als LVO-Präsident und Historiker Dr. Heiko Laß für den informativen Teil des Landschaftstages gesorgt. Lübbersmann blickte auf die Kulturarbeit des LVO im vergangenen Jahr zurück, nicht ohne auf kommende Veranstaltungen wie das „Sommerflimmern – Kino auf dem Lande" und den Veranstaltungsreigen zum 300. Geburtstag von Justus Möser hinzuweisen. Zudem lobte er das Förderprogramm des LVO speziell bei der Weitergabe von regionalisierten Kulturfördermitteln und richtete an das Niedersächsische Ministerium für Kunst und Kultur angesichts stets knapper Fördermittel für alle Kulturschaffenden den simplen Appell: „Da geht noch mehr!"

 

Landschaftstag 2019 | Gruppenfoto (c) Gabriele Janz
Alle Akteure des Landschaftstages 2019 v.l.n.r.: Birte Mehrkens, Marcia Bielkine (Kulturverein Petersburg), Udo Hafferkamp (Auszeichnung des LVO), Stephan Seiler (Kulturverein Petersburg), Rolf Wellinghorst (Laudator Hafferkamp), Heiko Laß (Historiker), Wolfgang Beckermann (LVO-Vorstand), Klaus Thorwesten (Laudator Kulturverein Petersburg), Michael Lübbersmann (LVO-Präsident), Susanne Tauss (LVO-Geschäftsführerin), Annette Niermann (Bürgermeisterin Bad Iburg), Hermann Queckenstedt (LVO-Vorstand).
Foto: Gabriele Janz

Informativer Blick auf den Rittersaal der Iburg

Laß nahm das Publikum auf einen informativen Gang durch den Raum des Landschaftstages mit, den Rittersaal der Iburg, der in einzigartiger Weise Osnabrücker Landesgeschichte veranschauliche. Nach kurzem Überblick über die Gründungsgeschichte der Iburg wandte sich Laß der vorbarocken Innenraumgestaltung des Raumes sowie den umfangreichen Bildprogrammen der Wände und der Decke zu, die mit Bischöfen und antiken Göttern einen vielschichtigen Bezug zwischen Mythos und Christentum herstellen. Laß versäumte nicht, darauf hinzuweisen, dass der Rittersaal der Iburg eine der letzten nördlich der Alpen erhaltenen Scheinarchitekturmalereien aus der Mitte des 17. Jahrhunderts bewahrt. Das Publikum nutzte die Gelegenheit, mit eigenen Augen den Argumenten des Referenten zu folgen.Landschaftstag 2019 | Heiko Laß (c) Gabriele Janz
Die Gäste des Landschaftstages erfuhren von Dr. Laß, dass der Rittersaal der Iburg auf einzigartige Weise Osnabrücker Landesgeschichte veranschaulicht.
Foto: Gabriele Janz, LVO

Musikalische Abrundung

Abgerundet wurde der gut besuchte und stimmungsvolle Landschaftstag durch die Neue Hofkapelle Osnabrück, die sich in begeisternder Weise zwei Konzerten für 4 Violinen von Georg Philipp Telemann widmete.Landschaftstag 2019 | Neue Hofkapelle Osnabrück (c) Gabriele Janz, LVO
Die neue Hofkapelle Osnabrück - 1. bis 4. Violine: Christian Heinecke, Franziska Hahn-Majersky, Laura Fierro, Danylo Gertsev.
Foto: Gabriele Janz, LVO