„Kultur ist Teil der geistigen Infrastruktur unserer Demokratie“
Grundsatzrede des Vorsitzenden Erster Stadtrat Wolfgang Beckermann
In seiner Rede bei der Mitgliederversammlung des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e. V. hat Wolfgang Beckermann, Erster Stadtrat der Stadt Osnabrück und Vorsitzender des Landschaftsverbandes, am 25.09.2026 die Bedeutung von Kultur für eine freie und demokratische Gesellschaft hervorgehoben.
„Kultur ist nicht die angenehme Begleitmusik einer funktionierenden Demokratie. Sie gehört zu ihrer geistigen Infrastruktur“, sagte Beckermann. Kunst und Kultur eröffneten Räume für Widerspruch, Perspektivwechsel und gesellschaftliche Debatten. „Kultur hält Widersprüche aus“ und ermögliche Zweifel, Ambivalenz und neue Perspektiven.
Die besondere Stärke des Landschaftsverbandes sieht Beckermann in seiner Rolle als „Institution des Dazwischen“. Er verbinde Stadt und Landkreis, vernetze Kulturschaffende und Institutionen und ermögliche durch die Bündelung verschiedener Fördermittel Projekte und Kooperationen. „Wir geben nicht einfach Geld aus. Wir vervielfachen Wirkung.“
Mit Blick auf den zunehmenden Druck auf die öffentlichen Haushalte warnte Beckermann davor, Kulturförderung zum Gegenstand kurzfristiger Einsparungen zu machen: „Bei der Kultur darf der Rotstift nicht zum politischen Konzept werden.“ Kulturelle Infrastruktur schaffe Räume für Begegnung, Erinnerung, Widerspruch und neue Ideen.
Die Mitgliederversammlung stand zugleich im Zeichen des bevorstehenden personellen Umbruchs. Beckermann wird zum 1. November aus seinem Amt als Erster Stadtrat und Kulturdezernent der Stadt Osnabrück und damit auch aus dem Vorsitz des Landschaftsverbandes ausscheiden. Den Vorsitz übernimmt turnusgemäß Kreisrat Matthias Selle, der im kommenden Frühjahr ebenfalls in den Ruhestand wechseln wird. Geschäftsführerin Dr. Tauss wird zum 1. Oktober 2027 in den Ruhestand gehen.
Beckermann zeigte sich dennoch zuversichtlich: „Alle Nachfolgerinnen und Nachfolger werden ein wohlbestelltes Haus vorfinden.“ Mit den bestehenden Strukturen und der langjährigen Erfahrung von Dr. Hermann Queckenstedt im Vorstand seien gute Voraussetzungen für die Kontinuität des Verbandes gegeben.
Zum Abschied formulierte Beckermann seinen Anspruch an die Kulturförderung, „nicht zu bestimmen, was in unserer kulturellen Landschaft wachsen soll, sondern dafür zu sorgen, dass überhaupt etwas wachsen kann.“