Das ideologische Gift ist nicht aus der Welt – Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus
Osnabrück. Minusgraden zum Trotz versammelten sich am 27. Januar auf dem Osnabrücker Marktplatz am späten Nachmittag fast 200 Menschen, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Der Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V. hatte dort die zentrale Gedenkfeier für Stadt und Landkreis ausgerichtet. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter, Landrätin Anna Kebschull, Kantor Baruch Chauskin, Schüler:innen der Alexanderschule Wallenhorst und der Möser-Realschule, Omas gegen rechts sowie Jonny Böhmer, 2. Geschäftsführer der Niedersächsischen Beratungsstelle für Sinti und Roma e.V., gestalteten die Feier.
Immre noch menschenverachtendes Gedankengut in Verbreitung
Oberbürgermeisterin Katharina Pötter bedauerte in ihrer Ansprache, dass über 80 Jahre nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Terrorregimes in Deutschland immer noch und in verstärktem Maß menschenverachtendes und die Menschenwürde verschmähendes Gedankengut Verbreitung finde. Daher dürfe der Faden des Erinnerns nicht abreißen. Bildungseinrichtungen spielten dabei eine große Rolle. So dankte Pötter besonders den an der Feier beteiligten Schüler:innen der Möser-Realschule und der Alexanderschule Wallenhorst sowie namentlich dem koordinierenden Lehrer Michael Hoffmann für ihr Engagement. Auch die Omas gegen rechts schloss Pötter in ihren Dank ein.
Namensverlesung
Nach einer Schweigeminute verlasen die Schüler:innen gemeinsam mit Omas gegen rechts die Namen und Todesdaten bzw. Altersangaben von 38 Osnabrücker Opfern des Nationalsozialismus, darunter auch Felix Nussbaum und Peter van Pels, der im niederländischen Exil Freundschaft mit Anne Frank geschlossen hatte.
Gedenken und Totenklage
Im Anschluss legten Katharina Pötter und Anna Kebschull einen Kranz an der Gedenktafel für die jüdischen Opfer nieder. Mit einem weiteren gedachten Henk Huttenga und Vanna Spang aus Emmen, der niederländischen Partnerstadt Georgsmarienhüttes, der im NS-Terror ermordeten Jüdinnen und Juden.
Nach der Kranzniederlegung stimmte Baruch Chauskin, Kantor der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, die Totenklage „El male Rachamim“ an, die an die nationalsozialistische Verfolgung und Tötung von sechs Millionen Juden erinnert.
Diskriminierungen immer spürbarer
Vor der Gedenktafel für die von den Nationalsozialisten ermordeten Osnabrücker Sinti erinnerte Jonny Böhmer, 2. Geschäftsführer der Niedersächsischen Beratungsstelle für Sinti und Roma e.V., an die Opfer in seiner eigenen Familie und unter den Osnabrücker Sinti. Böhmer betonte: „Wir leben das weiter, was ... [unsere Verwandten] damals erlebt haben. ... Wir haben zu kämpfen mit Ausgrenzung und Stigmatisierung.“ Böhmer bedauerte zudem, dass Diskriminierungen immer spürbarer würden. Im Anschluss an seine Ausführungen sprach er ein kurzes Gebet, bevor er gemeinsam mit Pötter und Kebschull für die Sinti-Opfer einen Kranz vor der Gedenktafel an der Stadtwaage niederlegte.
Möglichkeit zum Gedenken
Am Ende der Veranstaltung hatten Bürger:innen die Gelegenheit, die Opfer mit Blumen zu ehren oder ihrer still zu gedenken sowie der Eröffnung der Ausstellung „Auftakt des Terrors – Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus“ beizuwohnen.