Locker mit Keks – „Kunst im Speicher“ mal anders
Nicht nur Kunst, sondern auch Tee, Kaffee und Kekse lockten trotz widriger Witterung einige Kunstinteressierte am Donnerstag, den 29. Januar 2026, spätnachmittags zum Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V. (LVO) in den Leisen Nach einführenden Erläuterungen in gemütlicher Runde konnten die Besucher:innen die Ausstellung „Handschrift“ in Ruhe besichtigen. Begleitet wurden sie von drei der ausstellenden Studierenden sowie von Kurator Frank Gillich.
Warum "Handschrift"?
Die Gäste hatten bei „Kunst und Keks“ nach einer kurzen Einführung des Künstlers und Kurators Frank Gillich Gelegenheit, unbefangen Fragen zu stellen. Von dieser Möglichkeit wurde gern Gebrauch gemacht.
Warum heißt die Ausstellung überhaupt „Handschrift“? Diesen Titel haben die beteiligten Künstler:innen ausgesucht, weil sich wie beim Schreiben auch beim Zeichnen sehr unterschiedliche „Handschriften“ entwickeln und somit zu einem Thema ganz unterschiedliche Ausdrucksformen entstehen können – natürlich auch stets abhängig vom gewählten Material. Zudem lag die Absicht der Ausstellung weniger auf dem Abbilden als vielmehr auf dem gestalterischen Wie.
Improvisation oder geplantes Arbeiten?
Wie haben die Künstler:innen ihre Bilder komponiert? Haben sie improvisiert, haben sie jeweils mit einem fertigen Konzept gearbeitet, haben sie etwas vorgezeichnet? Tatsächlich hat Jakob von den Driesch einzelne Motive seiner Pinselzeichnungen in kleinen Studien und Skizzen vorbereitet; er hatte einen groben Plan, sich dann aber auch im Tun der Formfindung überlassen. Es sei dabei manchmal schwierig, den richtigen Moment der Fertigstellung zu finden, berichtet er. Und ja, wenn die Zeichnungen eine Besucherin an Pilz-Mycel erinnerten, wundere ihn das nicht. Er habe sich zur Vorbereitung auch Bilder von Pilzen angesehen.
Inspiration Kellertreppe
Und wie entstanden die merkwürdig gewundenen und verschachtelten Zeichnungen von Jan Goertz? Und ist tatsächlich auf allen eine Konservendose zu sehen? Tatsächlich hat sich Goertz zunächst vom vielfachen Schattenwurf einer Kellertreppe inspirieren lassen. Später hat er zerschnittene Papprollen auf seinem Schreibtisch verschiedenen Licht-Schattenszenarien ausgesetzt und dieses Motiv ein ganzes Semester lang variiert. Und nein, es ist keine Konservendose zu sehen, aber ein Fragment einer Papprolle lässt sich noch erkennen.
Und wieso heißt Goertz‘ in der Begleitbroschüre abgebildete Zeichnung „CiM4“? Tatsächlich setzt sich die Bezeichnung aus Katalogisierungsziffern und Buchstaben zusammen.
Motivwahl
Welche Motive zeigen die „Kompositionen nach der Natur“, die Sanja Becker (geb. Rullkötter) mit kräftigen Farben zu Papier gebracht hat? Und wie ist sie dabei vorgegangen? Tatsächlich zeigen die Bilder Details aus Naturobjekten, die Becker mehrfach fotografisch so stark vergrößert hat, dass sie nahezu abstrakt wirkten. Dann hat sie zunächst mit einzelnen Linien Konturen vorgezeichnet. Bei der Führung verrät die Künstlerin, worum es sich im Ursprung handelt: einen Fortsatz an einem Pflanzenstiel, eine rote Blüte, einen Wassertropfen, eine Tulpe. Und nein, sie hat nicht mit Wachsmalstiften gearbeitet, sondern mit ölhaltigen Buntstiften, wobei der Kontrast zwischen schwarz-weiß gehaltenen Passagen und starkfarbigen Elementen bewusst eingesetzt ist.
Bleistifthärten, Linienführung, Interpretationen ...
Die Gäste näherten sich auf diese Weise allen ausgestellten Zeichnungen und erfuhren nebenbei, welche Bleistifthärten es gibt und mit welchen Härtegraden man welche Ergebnisse erzielen kann. Sie erkanntn Unterschiede bei der Linienführung, versuchten Motive zu entschlüsseln und tauschten ihre Interpretierungen untereinander aus.
„Es ist faszinierend, diese Arbeiten nicht allein anzuschauen, sondern sich dabei austauschen zu können. Und mit Keksen geht das viel lockerer“, fasste eine Teilnehmerin ihre Eindrücke zusammen.
Besichtigungszeiten
Die Ausstellung „Handschrift“ in der Reihe „Kunst im Speicher“ zeigt Arbeiten von insgesamt neun Studierenden im Fach Kunst/Kunstpädagogik der Universität Osnabrück. Sie kann bis Mitte Mai 2026 von montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung auch gesondert besichtigt werden kann. Weitere Informationen unter www.lvosl.de oder T 0541-600585-0.